Abermals Corona: Reinfektionen in der Omikron Welle

Der dritte Pandemie-Sommer steht bevor. Seit Beginn der Pandemie gab es in Österreich über vier Millionen laborbestätigte positive Fälle. Circa die Hälfte der Bevölkerung hat sich also – die Dunkelziffer an Infektionen außer Acht gelassen – noch nie mit SARS-CoV-2 infiziert. Andere dagegen infizieren sich bereits zum zweiten oder dritten Mal. Seit Beginn des Jahres steigt die Zahl der Reinfektionen rasant an. Das liegt vor allem an der Omikron Variante, die ansteckender ist als ihre Vorgänger und laut Weltgesundheitsorganisation weltweit die aktuelle dominierende Variante ist. Im April 2022 betraf das etwa jeden zehnten Infektionsfall. Denn circa 11 Prozent der Neuinfektionen waren Reinfektionen. Zuletzt waren die Fallzahlen in Österreich rückläufig.


Omikron - Reinfektion

Die steigende Zahl der Mehrfachinfektionen liegt vor allem an den Unterschieden in den Varianten. Die Omikron-Variante, die vor circa einem halben Jahr das erste Mal nachgewiesen wurde, zeichnet sich durch 30 Veränderungen im Spike-Protein aus. Laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist sie die bisher am stärksten abweichende Variante. Die vielen Reinfektionen lassen sich auf diesen Unterschied zurückführen. Virologe Christoph Steiniger von der Medizinischen Universität Wien äußerte sich dazu: „Je näher zwei Virustypen miteinander verwandt sind, umso wahrscheinlicher sind wir geschützt.“

Auch die verschiedenen Omikron-Varianten unterscheiden sich voneinander. „Aus Antikörperzahlen muss man auch annehmen, dass sich die Omikron-Varianten BA.1 und BA.2 nur bedingt gegenseitig schützen.“, so Dorothee von Laer von der Medizinischen Universität Innsbruck: „Es gibt einen gewissen Kreuzschutz, aber die Wahrscheinlichkeit zur Reinfektion ist relativ hoch".

Anstieg der Infektionszahlen außerhalb Europas

Während in Österreich die Infektionszahlen zuletzt gesunken sind, steigen die Fallzahlen in anderen Ländern gerade wieder drastisch an. Im Bundestaat New York sorgen zwei neue Sublinien des Omikron-Virus für steigende Infektionszahlen. Diese sollen laut New York Times um circa 25 Prozent ansteckender sein als die Omikron Variante BA.2.

Auch in China, das durch strenge Maßnahmen in den letzten zwei Jahren kaum Corona-Infektionen verzeichnete, stiegen die Infektionszahlen zuletzt stark an und erreichten einen Höchststand seit Beginn der Pandemie. In einigen Teilen des Landes wurden harte Lockdowns verhängt. Virologe Christian Drosten äußerte sich diesbezüglich „…das ist ja eine so große Bevölkerung und ich denke nicht, dass es dort gelingen wird, es zu kontrollieren. Das schafft enorme Evolutionsmöglichkeiten für das Virus.“ Es bleibt also abzuwarten, ob und welche neuen Virusvarianten in Zukunft noch auf uns zukommen werden.

Herbst: Warum Corona nicht wie Influenza ist

Viele hoffen darauf, dass uns das Coronavirus schon bald nur noch im Ausmaß einer Grippe treffen wird. „Bei der Influenza ist es eigentlich selten, dass man die zweimal in einer Saison bekommt“, so Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle. Bei Corona sehen wir im Gegensatz zur Grippe aber gerade viele Reinfektionen. Laut Virologe Christian Drosten liege das daran, dass sich jeder in Laufe seines Lebens mehrfach mit Influenza infiziere. Diese Infektion spiele sich in der Rachen-Schleimhaut ab. Dort entstehe auch eine Immunität gegen das Grippe-Virus. Denn unsere Schleimhäute hätten „ein lokales ortständiges eigenes Immunsystem“.

Die Impfung ist bei Omikron weniger effektiv als bei früheren Varianten. Laut Robert Koch - Institut (RKI) scheint die Wirksamkeit besonders bei Personen, die bisher nur zwei Impfstoffdosen (also eine Grundimmunisierung) erhalten haben, nach 2 bis 3 Monaten stark abzufallen. Eine dritte Impfdosis erhöhe den Schutz gegen Omikron. „Nach Auffrischimpfung wurde ein deutlicher Wiederanstieg der Impfeffektivität für alle Endpunkte beobachtet.“ so das RKI. „Die Dritt-Impfung hat bei vielen Menschen ausreichend Antikörper entwickelt, um sie vor einer Omikron-Infektion zu schützen“, erklärt Rudolf Valenta, Forscher an der Medizinischen Universität Wien: „allerdings gibt es auch hier einen mit 20 Prozent deutlichen Anteil, wo kein Schutz aufgebaut wurde“.

Drosten: „Aber selbst die Geimpften haben eben keine spezielle Schleimhaut-immunität. Die haben nach der Impfung schon so für zwei Monate IgA und auch ein paar andere Komponenten der Schleimhautimmunität stimuliert. Aber das geht dann wieder weg nach dieser Impfung, die eben nicht an der Schleimhaut passiert, sondern im Muskel und dann systemisch geht.“ Er rechne kommenden Herbst, wenn es wieder kälter wird, mit einer erneuten verstärkten Übertragung des Virus.

Weiterhin achtsam bleiben

Besonders tückisch an Omikron ist, dass viele Infektionen asymptomatisch verlaufen. Infizierte merken dann gar nicht, dass sie andere anstecken können und ergreifen oft keine speziellen Schutzmaßnahmen. Laut AGES entfallen die aktuellen Infektionen fast ausschließlich auf die Omikron-Variante. Trotzdem befinden sich noch immer knapp 1500 Menschen mit Corona im Krankenhaus, über hundert davon auf Intensivstationen. Um sich und seine Mitmenschen zu schützen, sollte man sich weiterhin vor allem bei bevorstehendem Kontakt mit Risikogruppen testen lassen. Zurzeit haben wir eine Positivrate von knapp vier Prozent; jeder 25. Test fällt damit positiv aus.