Corona-Herbst in Österreich

Der Herbst ist da. Mit ihm kommen leider auch wieder vermehrte Corona-Infektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die es erleichtert Städte und Länder miteinander zu vergleichen und die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner anzeigt, liegt derzeit bei über 800 (Stand: 21.10.2022). Damit meldet Österreich die höchste 7-Tage-Inzidenz in ganz Europa.



Im Moment befinden sich circa 2.500 Personen mit Covid-19 im Krankenhaus. Über Hunderttausend sind aktiv infiziert. Trotz hoher Inzidenz sind die Zahlen in den letzten Tagen wieder leicht rückläufig. Auch auf den Normal- und Intensivbetten wird für die nächsten zwei Wochen eine rückläufige Entwicklung erwartet, so die Covid-19-Prognose vom 18.10.2022 des COVID-Prognose-Konsortiums, das aus Expertinnen und Experten verschiedener Forschungseinrichtungen besteht. Sie merken in ihrer Prognose an, dass das milde Herbstwetter der letzten Wochen saisonale Treiber des Infektionsgeschehens gedämpft hat. Denn besonders das kalte Wetter erleichtert die Verbreitung des Virus.


Das Virus in der kalten Jahreszeit

Viele Viren, die akute Atemwegserkrankungen verursachen, verbreiten sich vor allem im Herbst und Winter sehr gut. Dazu gehört auch SARS-CoV-2. Laut dem Robert Koch Institut (RKI) ist auch in Zukunft mit Covid-19 -Wellen im Herbst und Winter zu rechnen.


Dass gerade in der kalten Jahreszeit so viele Menschen an Corona erkranken hat verschiedene Gründe. Zum einen liegt es daran, dass wir uns in der kalten Jahreszeit vermehrt in Innenräumen aufhalten und treffen, die aufgrund der niedrigen Außentemperaturen oft nicht gründlich genug gelüftet werden. Zum anderen sorgen in der Heizsaison eine geringere Luftfeuchtigkeit, geringere UV-Strahlung und trockene Schleimhäute für eine leichtere Übertragung des Virus. Auch die „echte Grippe“, die durch Influenzaviren übertragen wird, kann sich im Herbst und Winter besonders gut verbreiten. Die Studienlage zu Co-Infektionen (eine gleichzeitige Infektion mit SARS-CoV-2 und Influenza) ist derzeit noch dürftig und uneindeutig.


Der Virologe Ortwin Adams vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf appelliert besonders an ältere und immungeschwächte Personen sich vor einer Doppelinfektion zu schützen. Laut dem Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien wurden in letzten Wochen in Österreich bereits die ersten, derzeit noch sporadischen, Influenzavirusinfektionen nachgewiesen. Die Influenza kommt dieses Jahr damit früher als in der letzten Grippesaison.


Covid-19 oder doch Grippe oder grippaler Infekt?

Wenn man vermutet, erkrankt zu sein, ist es von Bedeutung zu wissen, ob eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus vorliegt oder doch eine andere Erkrankung, wie beispielsweise die Grippe oder ein grippaler Infekt.


Viele Fragen sich, wie sie eine Corona-Infektion von einer Grippe unterscheiden können. Auch wenn Corona und die echte Grippe von unterschiedlichen Viren verursacht werden, haben sie doch auch einige Gemeinsamkeiten. Beide werden entweder durch Tröpfchen-, die von einer infizierten Person über Niesen oder Husten verbreitet werden, wie auch durch Schmierinfektionen, also das Berühren von Oberflächen, auf denen sich Virusmaterial befindet, übertragen. Auch die häufigsten Symptome einer Covid-19-Erkrankung Fieber, Husten, Müdigkeit und Verlust des Geschmacks- und Geruchssinnes können auch bei einer Grippe oder einem grippalen Infekt auftreten.


Nur durch das Testen kann sicher festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um eine Corona-Infektion handelt.


Sonderbetreuungszeiten für Eltern

Für Eltern ist es wichtig zu wissen, ob bei ihren Kindern eine Corona-Infektion oder etwa ein grippaler Infekt vorliegt. Die hohen Fallzahlen stellen auch sie vor große Herausforderungen. Eltern, deren Kinder sich mit Corona infiziert haben und daher keine Schule oder andere Kinderbetreuungseinrichtung besuchen können, haben Anspruch auf Sonderbetreuungszeit. Dieser Anspruch von bis zu drei Wochen (21 Tage) wurde bis Ende des Jahres 2022 verlängert.


Durch den Unterricht in geschlossenen Räumen und den Wegfall der FFP2-Maskenpflicht an Schulen kann sich das Virus dort leicht verbreiten. Die Landesschulsprecherin Michelle Isop in der Steiermark fordert daher sogar verpflichtende PCR-Tests in Klassen. Es sieht aber so aus als würde von Seiten der Regierung vorerst am aktuellen Weg festgehalten werden.


Auch in Hinblick auf mögliche Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung und deren Behandlung ist ein weiteres Monitoring der Situation wichtig. Diese Langzeitfolgen, generell unter dem Begriff Long-Covid zusammengefasst, umfassen ein breites Spektrum an Symptomen. Zu den häufigsten gehören Erschöpfung, verminderte Leistungsfähigkeit, Atembeschwerden und anhaltende Geschmacks- und Geruchsstörungen. Dass sich eine Infektion mit SARS-CoV-2 jedoch neben der Lunge auch auf andere Organe des Körpers ausbreiten kann, ist den wenigsten bewusst.


Neue Erkenntnisse durch österreichischer Studie

Eine erst kürzlich publizierte Studie des Instituts für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien konnte feststellen, dass sich eine Infektion mit SARS-CoV-2 nicht nur in der Lunge, sondern sich oft auch in anderen Organen wie dem Herz, den Nieren, der Haut oder dem Darm manifestieren und diese schädigen kann. Bei rund 60 Prozent der Patientinnen und Patienten wurden Auswirkungen auf den Verdauungstrakt festgestellt.


Um mögliche auftretende Symptome richtig einschätzen zu können, ist es daher maßgeblich zu wissen, ob eine Infektion stattgefunden hat.