Corona-Frühlingspause in Österreich?

Die Dynamik der Pandemie hat sich geändert und so gilt seit 19. Februar in fast allen Bereichen – statt der bisherigen 2G-Regel – wieder die 3G-Regel, etwa bei körpernahen Dienstleistungen, Veranstaltungen, der Gastronomie oder in Sportstätten. In Wien bleibt es in der Gastronomie bei der 2G-Regel.



Am Sitzplatz dürfen alle Schulkinder künftig ihre Maske abnehmen. Wenn sie diesen verlassen, muss sie jedoch wieder aufgesetzt werden; ausgenommen hiervon ist der Turnunterricht, wo schon seit 7. Februar keine Maske mehr getragen werden muss. Außerdem sind Schulveranstaltungen – wie Skikurse – wieder möglich.


Noch immer gilt die Sperrstunde von 24:00 und das Verbot der Nachtgastronomie sowie die Maskenpflicht in Innenbereichen. Auch bei der Einreise nach Österreich gilt seit dem 22. Februar eine generelle 3G-Regel. Ausnahmen gelten für Einreisen aus Virusvariantengebieten.


Die Öffnungsschritte gelten als „Vorphase“ für weitreichendere Lockerungen, die mit 5. März kommen sollen.


Lockerungen ab 5. März

Wenn die Ankündigung der Regierung hält, werden mit 5. März die meisten CoV-Maßnahmen trotz hoher Neuinfektionszahlen fallen gelassen. Die G-Regel fällt im öffentlichen Leben sowie auch am Arbeitsplatz. Der „Grüne Pass“ muss also kaum mehr vorgezeigt werden. Die Sperrstunde wird aufgehoben und die und die von der Pandemie schwer getroffene Nachtgastronomie darf wieder öffnen. Außerdem soll die Konsumation bei Veranstaltungen wieder erlaubt sein und die Personenbegrenzung aufgehoben werden. Die FFP2-Maskenpflicht fällt in den meisten Bereichen. Sie bleibt jedoch in höchst vulnerablen Settings wie in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln und im lebensnotwendigen Handel. In Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen gilt auch weiterhin die 3G-Regel für Mitarbeiter und Besucher.


Wien ist dagegen wieder einmal vorsichtiger als der Rest Österreichs und trägt nicht alle Öffnungsschritte mit. Die Nachtgastronomie darf zwar mit 5. März öffnen; es bleibt jedoch bei 2G. Auch die Maskenpflicht im Handel wird in der Bundeshauptstadt vorerst bleiben.


Experten uneinig

Einige Experten haben angesichts der Lockerungen gemischte Gefühle und hätten lieber noch abgewartet. Andreas Bergthaler zeigte sich zwiegespalten und meinte es sei ein Spagat, sowohl der Politiker als auch der Experten. Er persönlich habe aber „einen bisschen einen vorsichtigeren Zugang dazu“. „Von unserer Seite her auch basierend auf Prognosen vom Kollegen Klimek und anderen sehen wir noch nicht ganz den Zeitpunkt erreicht, um jetzt völlig aufzumachen.“, äußerte sich der Molekularbiologe und Mitglied der GECKO-Kommission im Runden Tisch des ORF.


Dass die Maskenpflicht in weiten Bereichen fällt, sieht der Epidemiologe Gerald Gartlehner kritisch und „hätte wahrscheinlich die Maskenpflicht generell als Basismaßnahme gelassen und dort wo Masken nicht getragen werden können hätte wahrscheinlich 2G bleiben können oder sollen, weil es doch noch keine deutliche Bewegung nach unten gibt.“


Peter Klimek, Komplexitätsforscher, zeigt sich optimistischer. Man reize mit den geplanten Öffnungsschritten den Spielraum aus und gehe „damit natürlich auch ein gewisses Risiko [ein], aber dass das jetzt komplett ins Aug´ geht ist dann doch eher unwahrscheinlich.“ Man sei in den Krankenhäusern weit weg von den als systemkritisch definierten Grenzen und „so wie wir jetzt die Lage sehen ist davon auszugehen, dass wir im Laufe des Märzes von dieser Plateauphase runterkommen werden.“


In Stein gemeißelt seien die für 5. März angekündigten Maßnahmen aber nicht, äußerte sich Katharina Reich, Vorsitzende der GECKO-Kommission und Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit: „Ich habe zum Herrn Gesundheitsminister gesagt, wenn sich´s nicht ausgeht, dann geht sich´s nicht aus. Dann werden wir wohl die ein oder andere Maßnahme noch einmal aus dem berühmten Werkzeugkoffer ziehen müssen.“ Dies komme auf viele Faktoren an – wie die Dynamik und die Situation in den Spitälern – und müsse dann bewertet werden.


Long Covid bei Omikron

In den Hintergrund gerückt sind in der Debatte um die Öffnungsschritte Österreichs die möglichen Langzeitfolgen einer Corona-Infektion, auch „Long Covid“ genannt. Unter den Begriff fallen gesundheitliche Beschwerden, die mehr als vier Wochen nach der akuten Infektion nicht abklingen oder neu dazukommen. Diese könnten auch bei Omikron eine Rolle spielen. Denn auch bei anderen Varianten seien auch Personen an Long Covid erkrankt, die nur milde Akutverläufe gehabt hätten, äußerte sich die deutsche Long-Covid-Expertin Jördis Frommhold, Chefärztin der Klinik Heiligendamm. Jetzt schon Entwarnung zu geben, was die Spätfolgen anbelangt, sei ihrer Meinung nach zu früh. Es brauche bis zu drei Monate nach einer Infektion, manchmal auch länger, bis man die Langzeitfolgen abschätzen könne. Da Omikron jedoch erst seit einigen Monaten im Umlauf ist, bleibt abzuwarten, welches Risiko Omikron in Bezug auf Long Covid birgt.