Intensivbettenauslastung erfordert neue Strategien in der Pandemie

Aktualisiert: Mai 11

Die Situation auf den Intensivstationen spitzt sich zu. Auch wenn die Auslastung nur zu einem Drittel von Covidpatienten verursacht wird, wird es bereits kritisch, da auch andere Intensivpatienten freie Betten brauchen. Die Corona-Kommission sieht bereits eine Belegung von 33 Prozent mit Covid-19-Patienten der Intensivbetten als ein sehr hohes Systemrisiko an. Denn für die Betreibung der Betten braucht es speziell ausgebildetes Personal, vor allem genügend qualifizierte Pflegekräfte.


Maximal 700 bis 800 Intensivbetten stehen im Krisenmodus für Covid-19-Patienten österreichweit zur Verfügung. Mitte April waren bereits fast 600 Betten mit Personen belegt, die intensivmedizinische Betreuung in Anspruch nehmen mussten.


Aber Achtung, selbst wenn noch freie Kapazitäten auf den Intensivstationen vorhanden sind, können sie nicht vollständig genutzt werden. Für Notfälle wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Verkehrsunfälle müssen jederzeit Ressourcen zur Verfügung stehen. Zudem müssen bereits geplante Operationen, nach denen Patienten auf Intensivstationen versorgt werden müssen, verschoben werden. Auch viele Routineeingriffe müssen zum Teil abgesagt werden, um Kapazitäten freizuhalten und das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren.


In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wurde die kritische Schwelle von 33 Prozent Coronapatienten auf den Intensivstationen bereits deutlich überschritten. Diese unerfreuliche Tatsache war auch der Grund für die Verlängerung des Lockdowns in den östlichen Bundesländern. Die freien Kapazitäten an der Gesamtzahl der Intensivbetten schwanken je nach Bundesland zwischen 16 und 34 Prozent. Doch nicht jedes Bett ist für Personen mit einer Covid-19-Erkrankung geeignet, neben qualifizierten Pflegefachkräften braucht es auch medizinische Spezialausrüstung wie etwa die ECMO-Geräte, die für die extrakorporale Membranoxygenierung zum Einsatz kommen. Das Gerät übernimmt bei Coronapatienten mit einem sehr schweren Verlauf die Lungenfunktion.



Schnelltests erkennen nicht alle Infektionen


So wichtig regelmäßige Testungen auf das Coronavirus auch sind – jeder erkannte Virusträger bedeutet eine Verlangsamung der Verbreitung des Virus – nur auf sie allein kann man sich nicht verlassen. Gerade in den ersten Tagen einer Infektion wird eine solche nicht immer von Antigen-Schnelltests erkannt, weist Virologe Christian Drosten auf das Problem hin. Die Schnelltests können im Gegensatz zu PCR-Tests eine Infektion in der anfangs Phase, bei der man noch keine Symptome einer Erkrankung verspüre, nicht immer zuverlässig nachweisen. Dies hätten die praktischen Erfahrungen in den Diagnose-Laboren gezeigt.


Dennoch mache gerade deshalb regelmäßiges Testen Sinn, denn selbst wenn ein Test negativ war, könne schon der nächste eine Infektion entdecken, so Christian Drosten. Wichtig sei es, die betroffenen Personen sofort zu isolieren, ohne erst das Ergebnis eines folgenden PCR-Tests abzuwarten. Werden die Corona-Maßnahmen gelockert und sind wieder Besuche in Restaurants, Theatern und Kinos möglich, sollte weiterhin auf Abstand und Maskenpflicht gesetzt werden.


Impfstoff-Roulette geht in die nächste Runde


Im Streit um die Impfdosenverteilung innerhalb der EU verkündete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zuletzt erfreuliches. Die Hersteller Biontech/Pfizer wollen eine Lieferung von 50 Millionen Impfdosen an die EU, die ursprünglich für das vierte Quartal vorgesehen war, vorziehen. Nach dem Verteilungsschlüssel, der anhand der Bevölkerungszahl berechnet wird, bedeutet dies für Österreich eine Million Dosen, mit denen im zweiten Quartal gerechnet werden kann.


Neue Entwicklungen gibt es auch bei Astra Zeneca. Die Vakzine war auf Grund von Thrombosefällen in die Schlagzeilen geraten, Dänemark stellte Mitte April Impfungen mit Astra Zeneca als erstes Land in der EU komplett ein. Andere Länder hatten den Impfstoff zeitweise ausgesetzt oder Empfehlungen dahingehend ausgesprochen, ihn nur noch für ältere Menschen einzusetzen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt aktuell eine Risikoanalyse zum Astra Zeneca-Impfstoff durch, bei der Risiken und Nutzen miteinander abgewogen werden sollen. Bislang wurden die Vorteile des Schutzes vor einer Erkrankung mit Covid-19 höher eingestuft als die Gefahr von Nebenwirkungen.


Eine neue Studie der Universität Oxford kommt zu dem Schluss, dass das Risiko einer Sinusvenenthrombose im Gehirn nach einer Covid-19-Infektion etwa 100 Mal höher sei als normalerweise. Somit seien Probleme mit der Blutgerinnung deutlich wahrscheinlicher als durch die Impfung, unabhängig vom verwendeten Impfstoff. Dies gelte auch für jüngere Personen unter 30 Jahren.


Einen Rückschlag erfuhr die Impfstrategie durch die verschobene Auslieferung des Impfstoffs von Johnson & Johnson. Der US-Hersteller hatte aufgrund von ebenfalls aufgetretenen Fällen von Sinusvenenthrombosen, Lieferungen an die EU auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.


Herdenimmunität durch Impfungen und natürliche Infektionen


Die Frage danach, ob eine Immunität nach einer Impfung oder nach einer durchgemachten Infektion vorzuziehen ist, kann momentan nicht abschließend beurteilt werden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Immunantwort auf die natürliche Infektion eher breiter ist, aber möglicherweise nicht so lange anhaltend. In einer Studie, die sich mit Reinfektionen beschäftigt, haben sich 0,7 Prozent der untersuchten Personen im Untersuchungszeitraum erneut infiziert. Die längerfristige Sicherheit könnte hingegen mit Impfstoffen stärker ausgeprägt sein. Zudem schützt eine Impfung, wie Daten aus Großbritannien und Israel zeigen, hochwirksam gegen schwere Verläufe.


Ist die Wissenschaft bislang davon ausgegangen, dass bei 60 bis 70 Prozent Durchimpfung eine Herdenimmunität erreicht ist, gehen neue Erkenntnisse davon aus, dass durch neue, ansteckendere Virusvarianten wie etwa B.1.1.7 ein höhere Impfrate nötig sein wird. Bis zur vollständigen Herdenimmunität wird deshalb wohl noch etwas Zeit verstreichen. In Österreich erhöht sich die Anzahl an Geimpften zwar täglich, aber für einen wirksamen Schutz gegen Corona sind bei den bisher verwendeten Vakzinen zwei Impfdosen notwendig. Und diese Zahl an Vollimmunisierten lag Mitte April erst bei knappen 8 Prozent.

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen