Long Covid: Gesundheitliche Langzeitfolgen von Covid-19

Einige Menschen leiden nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 an gesundheitlichen Langzeitfolgen. Diese sind bei verschiedenen Personen oft sehr unterschiedlich ausgeprägt. So können sowohl körperliche Symptome (wie zum Beispiel Atembeschwerden oder Herzrasen), als auch psychische Symptome (wie Angstzustände, Schlafstörungen oder depressive Verstimmung) auftreten. Dieses breite Symptomspektrum macht die Einordnung und Untersuchung von Long Covid sehr schwer.


Während man zu Beginn der Pandemie nur von Erfahrungsberichten einzelner betroffener Individuen hörte, haben sich mittlerweile einige wissenschaftliche Studien diesem ernsten Thema gewidmet. Diese leisten einen wichtigen Beitrag zu unserem Verständnis der möglichen Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Einige Fragen bleiben aber immer noch ungeklärt. Was wir bereits wissen -und wo noch Erkenntnisse gewonnen werden müssen – haben wir im Folgenden für sie zusammengefasst.




Was ist Long Covid?


Bisher gibt es für die neue Erkrankung „Long Covid“ noch gar keine einheitliche Definition. Im Dezember 2020 wurde vom britischen Forschungsinstitut „National Institute of Health and Excellence“ (NICE) eine Definition vorgeschlagen, auf die häufig zurückgegriffen wird. Diese unterscheidet zwischen drei unterschiedlichen Verläufen nach einer Infektion. Die „akute Covid-19-Erkrankung“ umfasst Symptome bis zu vier Wochen nach einer Infektion. Unter Long Covid werden meist die beiden anderen Verläufe, die „subakute Covid-19-Erkrankung“ und das „Post-Covid-19 Syndrom“, verstanden. Die „subakute Covid-19-Erkrankung“ betrifft Personen, die zwischen vier und zwölf Wochen nach der akuten SARS-CoV-2 Infektion weiterhin Symptome haben.


Das „Post-Covid-19-Syndrom“ beschreibt Symptome, die im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung oder auch danach aufgetreten sind, mehr als 12 Wochen nach Erkrankung noch vorliegen und nicht anderweitig erklärt werden können. Da die Krankheit so neu ist, kann derzeit noch nicht gesichert gesagt werden, wie lange Betroffene unter den Langzeitfolgen einer Infektion mit SARS-CoV-2 leiden oder ob es zu bleibenden Schäden kommen kann.

Prävalenzen und Risikofaktoren


Wie häufig Long Covid vorkommt, kann man noch nicht genau sagen. Eine häufig zitierte Studie des britischen Office for National Statistics (ONS) aus dem April 2021 kam auf circa 14 Prozent an positiv Getesteten, die nach 12 Wochen nach der akuten Infektion noch Symptome aufweisen. Doch unterschiedliche Studien kommen auf sehr voneinander abweichende Ergebnisse. In einem im Oktober 2021 veröffentlichten Bericht des Belgian Health Care Knowledge Center (KCE) wurden 100 Studien über Long Covid verglichen. Die Prävalenzen von Long Covid bei nicht hospitalisierten Patienten in den ersten 3 Monaten nach einer Infektion lagen zwischen 5 und 36 Prozent. Bei den hospitalisierten Patienten waren es sogar zwischen 32 und 78 Prozent.


Grundsätzlich kann Long Covid jeden treffen, der sich einmal mit SARS-CoV-2 infiziert hat. Es gibt jedoch bestimmte Personen, die eher an Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung leiden als andere. Einer Erhebung des britischen Office for National Statistics (ONS) vom Juli 2021 kommt Long Covid am häufigsten im Alter zwischen 35 und 69 Jahren vor. Besonders betroffen waren Mitarbeiter in der Gesundheits- und Sozialversorgung, Menschen mit aktivitätslimitierendem Gesundheitszustand oder Behinderungen und solche aus benachteiligten Wohnvierteln. Frauen waren häufiger betroffen als Männer.


Studie aus Dresden:

Long Covid bei Kindern und Jugendlichen


Eine große Studie aus Dresden griff auf die Krankenkassendaten von circa der Hälfte der deutschen Bevölkerung zurück. Diese sollte vor allem das bis dato geringe Wissen um Long Covid bei Kindern und Jugendlichen erweitern. Insgesamt schloss die Studie über 150.000 Personen (darunter knapp 12.000 Minderjährige) mit ein, die sich nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten und verglich diese mit einer Kontrollgruppe. Man fand, dass Erwachsene deutlich häufiger Long Covid-Symptome aufwiesen als Kinder und Jugendliche. Während die häufigsten Long Covid Symptome bei Kindern und Jugendlichen Unpässlichkeit, Müdigkeit und Erschöpfung sind, leiden Erwachsene am häufigsten an Geschmacksstörungen, Fieber und Atembeschwerden.

Long Covid war sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen häufiger, wenn diese im Krankenhaus behandelt werden mussten.


Hilfsangebote für Betroffene


Da die Symptomatik bei Long Covid sehr vielfältig ist, muss auch der Behandlungsplan individuell auf jede betroffene Person abgestimmt werden. Das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) empfiehlt sich bei dem Verdacht an Long Covid zu leiden, an die Hausärztin oder den Hausarzt zu wenden oder an eine darauf spezialisierte Ambulanz. Im Krankenhaus „Barmherzige Schwestern“ in Wien ist zum Beispiel ein eigenes ambulantes Programm für Post Covid-19 Patienten entstanden, bei dem die körperlichen und psychischen Langzeitfolgen von Long Covid-Patientinnen und -Patienten zweimal wöchentlich über eine Zeitspanne von sechs Wochen behandelt werden. Außerdem ist Anfang des Jahres die erste österreichische Selbsthilfegruppe für Betroffene von Long Covid gegründet worden. Es kann angenommen werden, dass in den nächsten Monaten noch weitere Hilfestellungen für Betroffene entstehen werden.