Neue Charité Studie zu Viruslast und Infektiosität

Aktualisiert: 28. Juni 2021


Seit Beginn der Pandemie wurden in Österreich über 40 Millionen Testungen auf das Coronavirus durchgeführt. Die Anzahl der bestätigten Fälle belief sich dabei auf über 600.000 positiv Getestete. Die neu identifizierten Fälle sind derzeit in Österreich weiter rückläufig. Weitere Öffnungsschritte werden eingeleitet und der Sommer steht hierzulande vor der Tür. Über den Effekt steigender Temperaturen und neue Kenntnisse aus einer groß angelegten Studie äußerte sich Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, kürzlich im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“.

Auch wenn der Sommer naht, darf der Einfluss der Temperatur auf die Verbreitung des Virus nicht überschätzt werden. „Um 20 Prozent geht die Übertragung bei den Erkältungs-Coronaviren in den Sommermonaten zurück. Es gibt gewisse Gründe zu denken, dass die Größenordnung bei diesem Virus auch so sein könnte“, äußerte sich der Virologe. „Es ist aber auch nicht so, dass man davon ausgehen könnte, dass die Temperatur das alles erledigt.“ Auch in dem südlichen Griechenland sei erst Anfang Mai noch einmal die Inzidenz gestiegen. Die Maßnahmen der vergangenen Wochen seien also trotz Temperaturanstieg nicht umsonst gewesen.



Neue Erkenntnisse aus Charité-Studie


Die Charité Berlin analysierte in einer über einen großen Zeitraum angelegten Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde, die Daten von über 25.000 neu diagnostizierten Patientinnen und Patienten. Die Studie untersuchte Unterschiede in der Infektiosität der Virusvarianten, Unterschiede in der Infektiosität zwischen Gruppen und den Zeitverlauf der Infektiosität. Hierfür wurde unter anderem die Viruslast die Menge an Virus-RNA, die in einer Probe vorkommt ─ untersucht. Sie ist ein wichtiger Indikator für die Infektiosität einer betroffenen Person, also wie ansteckend diese ist.

Die Viruslast in B.1.1.7

Interessante Erkenntnisse zur Viruslast konnte man bezüglich der britischen Virusvariante B.1.1.7 finden. So haben B.1.1.7-Patientinnen und -Patienten eine zehnmal höhere Viruslast als Patientinnen und Patienten des Wildtyps. Jedoch könne man nicht sagen, dass zehnmal mehr RNA-Kopien mit einer zehnmal höheren Infektiosität gleichgesetzt werden kann. Prof. Dr. Drosten und sein Team untersuchten das Verhältnis zwischen RNA-Kopienzahl und nachzuweisender Infektiosität. Sie konnten eine S-förmige Beziehung zwischen Viruslast und tatsächlich im Labor nachzuweisender Infektiosität finden. „Das liegt daran, dass man bestimmte Mindestpartikelkonzentrationen braucht, um eine Zellkultur zu infizieren“, äußerte sich der Virologe. „Aber irgendwann ist dann auch genug….Dann kommt nichts mehr dazu.