Omikron hat uns im Griff

Mittlerweile denken die meisten ÖsterreicherInnen bei Omikron nicht mehr nur an den fünfzehnten Buchstaben des griechischen Alphabets. Denn die SARS-CoV-2 Variante sorgt derzeit in vielen Ländern für hohe Infektionszahlen – auch in Österreich. Die Omikron-Variante wurde neben Apha, Beta, Gamma und Delta von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als sogenannte Variant of Concern oder „besorgniserregende Variante“, eingestuft.

Seit ihrer erstmaligen Identifizierung im November 2021 auf dem afrikanischen Kontinent, breitet sich die Variante rasant aus. Und bereits Ende des Jahres löste Omikron dann die Delta-Variante als vorherrschende Mutation in Österreich ab. Mittlerweile gewinnt ein Omikron-Subtyp, genannt BA.2, international an Bedeutung. Er wurde auch bereits im österreichischen Abwasser nachgewiesen und ist hierzulande auf dem Vormarsch.


Unterschiedliche Subtypen

Für Omikron sind bestimmte Sublinien bekannt. Diese sind BA.1, BA.1.1, BA.2 und BA.3. International wird beobachtet, dass der Anteil von BA.2 gegenüber BA.1 in verschiedenen Ländern kontinuierlich wächst. Omikron kann als Verwandtschaftskreis von Viren gesehen werden. BA.1 und BA.2 sind verschiedene Entwicklungslinien des Omikron-Virus. Der Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin Prof. Dr. Christian Drosten erklärt die Entstehung folgendermaßen: „Es gibt […] eine relativ frühe Abzweigung, die ist vielleicht schon ein Jahr alt ungefähr oder etwas weniger, ein Dreivierteljahr. Da haben sich diese Linien, diese Entwicklungslinien schon getrennt zwischen BA.2 und BA.1. Die stammen aber dennoch aus dem gleichen Ursprung. Das sind alles Omikron-Linien. Also der gemeinsame Vorfahr war auch schon ein Omikron-Virus.“ Obwohl die verschiedenen Sublinien von Omikron nah miteinander verwandt sind, bringen sie verschiedene Eigenschaften mit sich.


Ansteckungsgefahr bei BA.2

Generell scheint die Ansteckungsgefahr von Omikron höher zu sein als die der vorausgehenden Varianten. In Dänemark, wo die Sublinie BA.2 dominant ist, gab es eine große Haushaltsstudie zum Vergleich der Secondary Attack Rate der beiden Omikronsublinien BA.1 und BA.2, bei der circa 8500 Primärfälle untersucht wurden. Zur Erinnerung: Die Secondary Attack Rate ist die Zahl der Leute, die sich nach Kontakt mit einem Indexfall infiziert haben. Dabei fand man, dass sich eine Woche nach Exposition 29 Prozent der BA.1-Kontakte und 39 Prozent der BA.2-Kontakte angesteckt hatten. Bei Ungeimpften war die Chance einer Weiterübertragung von BA.2 gegenüber BA.1 erheblich erhöht. Gleichzeitig deuten Studien aus verschiedenen Ländern darauf hin, dass das Risiko einer Hospitalisierung bei Omikron im Vergleich zu Delta geringer ausfällt.


Bezüglich Unterschieden bei den Krankheitssymptomen von BA.1 und BA.2 gab das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Wochenbericht vom 10.02.2022 bekannt: „Hinsichtlich der klinischen Charakteristik gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass sich Infektionen mit BA.2 von Infektionen mit BA.1 unterscheiden.“


Impfschutzwirkung bei Omikron

Eine Studie aus Großbritannien hat sich mit der Effektivität der Impfung gegen die Omikron-Variante beschäftigt. Die Forscher fanden heraus, dass der Schutz vor einer symptomatischen Erkrankung bei Omikron schlechter ist als bei Delta. Jedoch war die Schutzwirkung gegen eine Hospitalisierung weiterhin hoch, besonders nach drei Dosen.

Zurzeit arbeiten sowohl Biontech als auch Moderna an einer Omikron-Boosterimpfung. Diese werden schon in klinischen Studien erprobt. Aber wozu braucht es überhaupt eine eigene Omikron-Boosterimpfung? Der Virologe Christian Drosten äußerte sich dazu vor kurzem in einem Podcast. Es sei sinnvoll, da „[…] die Influenza-Erfahrung zeigt, dass diese Bevölkerungsimmunität, auch wenn sie sich manchmal in Sprüngen entwickelt, sich doch kontinuierlich in einem gewissen Immunitätsraum fortentwickelt. Das heißt, diese Immunitäten, die bauen schon aufeinander auf. Also das Virus würde sich jetzt sehr schnell entwickeln zu einem dritten Serotypen, dann hätte jemand, der sich in der Zwischenzeit gegen Omikron weder impfen lassen würde noch sich infizieren würde, eine Brücke verpasst in dem Aufbau der Immunität.“ Dieser Omikron-Booster soll also einer Art „Immunitätslücke“ vorbeugen.


Weniger Schutzwirkung nach Omikron-Infektion?

Wer in Österreich eine Infektion mit einem SARS-CoV-2 Virus überstanden hat, dessen Genesungszertifikat ist sechs Monate gültig. Mehrere Studien deuten jedoch auf eine geringere Schutzwirkung einer überstandenen Omikron-Infektion hin. In England gibt es dazu unter anderem eine große Studie, die SIREN-Studie. Hier wurde untersucht, welchen Schutz ungeimpfte Omikron-Genesene nach einer Infektion aufwiesen. Man fand heraus, dass die Effektivität einer Vorinfektion schon nach 90 Tagen nur noch bei 44 Prozent liegt.


Auch das Institut für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck untersuchte den Immunstatus nach einer Infektion mit Omikron. Man fand, dass Omikron-Genesene, die zuvor weder geimpft, noch von einer anderen Virus-Variante bereits genesen waren, kaum neutralisierende Antikörper gegen andere Varianten aufwiesen.

Vor diesem Hintergrund hat Deutschland den Genesenenstatus kürzlich auf 90 Tage verkürzt.


Forscher auf der ganzen Welt widmen sich der Aufgabe, das Wissen über Omikron und seine Sublinien zu vertiefen. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir weitere Erkenntnisse über die zukünftige Entwicklung der Situation gewonnen haben.